Donnerstag, 8. März 2012

Was wäre passiert wenn... #1

Es ist mal wieder Zeit für eine neue Kategorie um wieder ein wenig Leben in den Blog zu bringen. Im Vergleich zu Kategorien wie "Rennen die den Jobb bewegten" geht es aber dieser mal eher in Richtung Fantasy. Heißt, ich nehme Radsportmomente unter die Lupe und spekuliere was passiert wäre, wenn diese nicht bzw. anderes gelaufen wären. Fangen wir doch einfach mal.

Was wäre passiert wenn Lars Boom beim Omloop het Nieuwsblad nicht gestürzt wäre

Der Taaienberg beim Omloop het Nieuwsblad ist traditionell der Berge wo Tom Boonen in den letzten Jahren jeweils mit einer ersten Tempoverschärfung das Finale des ersten Frühjahrsklassier eröffnet hat. So tat er dies auch bei der diesjährigen Austragung wieder, er erhöhte schon vor dem eigentlich Kopfsteinpflaster das Tempo um als erster in den nicht asphaltierten und steilen Berg zu fahren. Ein Fahrer wollte ihm diesmal aber ein Schnippchen schlagen, Lars Boom wollte Boonen noch kurz vor Beginn des richtigen Anstieges überholen. Er machte nur ein Fehler, er versuchte rechts vorbeizufahren, da wo eigentlich überhaupt kein Platz mehr war, es kam was kommen musste. Boom kam von der Straße ab und blieb am Straßenrand in einem Schlammloch stecken. Das konnte selbst der Cyclocrosser nicht mehr aussteuern und kam zu Fall und verlor alle Chancen. Während Boonen, Vanmarcke und Co vorne die erste Vorentscheidung suchten, zog am Niederländer das komplette Feld vorbei und der Omloop war hier für Boom eigentlich beendet, er fuhr zwar noch bis ins Ziel in Gent allerdings mit weitem Abstand. Machen wir uns nichts vor, hätte Boom weniger Riskio eingegangen und wäre hinter Boonen als zweiter in den Taaienberg gefahren, wäre er in der entscheidenen Gruppe dabei gewesen.
Was wäre dann passiert? Es wäre in jedem Fall das erste mal gewesen das Boom bei einem Kopfsteinpflasterrennen mit um den Sieg fährt. Er war zwar 2011 schonmal zehnter beim Omloop und 2010 fünfter beim E3 Prijs, allerdings hatte er dort nie wirklich Anschluss zu den letztendlichen Siegern, außerdem sind diese Ergebnisse von einem Fahrer der von sich selbst sagt das diese Art von Rennen seine Ziele sind ist das eindeutig zu wenig. Nachdem Taaienberg blieb die dort entstandene Spitzengruppe erstmal bis zum Kopfsteinpflasterabschnitt der "Lange Munte" zusammen, nur Thor Hushovd und Matti Breschel mussten einige Kilometer vorher schon reissen lassen. Breschel ein Teamkollege von Boom war also nicht so stark und hätte wenn Boom in der Gruppe mit dabei gewesen wäre Tempo für ihn machen können. Während sich der Niederlände ein wenig zurückgehalten hätte und dadurch auch ein paar Körner aufgespart hätte. Als dann auf der Lange Munte die Attacke von Vanmarcke kam hätte diese Boom locker beantwortet und es wär neben Tom Boonen, Sep Vanmarcke und Juan Antonio Flecha der vierte Fahrer in der nun mehr wirklich entscheidenen Spitzengruppe gewesen.
Von dort waren es noch gut 20 Kilometer ins Ziel und er wäre ein Rennverlauf geworden der Boom zugesagt hätte. Erst zwei Kilometer vor dem Ziel gingen die taktischen Spiele los. Im Sprint der Gruppe hätte der Rabobank Fahrer gegen Vanmarcke und Boonen wohl kaum eine Chance gehabt. Aber als guter Zeitfahren auf kurzen Strecken, immerhin Prologsieg bei Paris Nizza 2010, Katar Rundfahrt 2011 sowie beim Criterium du Dauphine 2011, hätte es Boom mit Sicherheit zwei Kilometer vor dem Ziel versucht und es wäre in jedem Fall schwerer gewesen den Niederländer einzuholen als Juan Antonio Flecha wie es dann ja wirklich war.
Egal ob Boom gewonnen hätte oder im schlechtesten Fall auch nur vierter geworden wäre, mit einem Schlag wäre er plötzlich zu den großen Favoriten für die Frühjahrsklassiker geworden. Nun hat er sich diesen Schritt durch den unnötigen Sturz erstmal selbstvermisst. Nun muss für Lars Boom die Devise sein bei den nächsten Rennen wie Dwaars door Vlaanderen oder dem E3 Prijs Harelbeke vorne reinzufahren. Ich bin mir jedenfalls sicher das er nicht mehr lange dauern wird, bis Boom seinen ersten großen Frühjahrsklassiker gewinnen wird...

Nachdem Rennen twitterte Lars Boom dann übringes folgendes:
Er sieht also ein das es sein eigener Fehler war und da ich Boom für einen schlauen Fahrer halte wird es selbes wohl nicht wieder tun.

Dienstag, 17. Januar 2012

Der Fahrer des Jahres 2011

Das Jahr 2012 ist jetzt schon wieder gut zwei Wochen alt und in Australien wird mit der Tour Down Under schon wieder das erste große Straßenradsport Highlight des neuen Jahres veranstaltet. Ich möchte nun aber normal auf das Jahr 2011 eingehen, denn ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht wer den Fahrer des Jahres 2011 war. Die meisten werden hier wohl Philipp Gilbert sagen der eigentlich die gesamte Saison über von Sieg zu Sieg fuhr. Für andere war es Tony Martin der Fabian Cancellara vom Zeitfahrtron stossen konnte. Ich habe mich dann aber für einen Fahrer entschlossen der 2011 ohne einen großen Sieg abgeschlossen hat, sich aber durch sein unglaublich Kämpferherz einen Namen auch außerhalb der Radsportwelt geschaffen hat.
Es geschah auf der neuen Etappe der Tour de France in Richtung Saint-Flour. Ein Auto des franzöischen Fernsehens wollte die Spitzengruppe überholen in der sich unter anderem Thomas Voeckler befand. Dieser sollte später das gelbe Trikot übernehmen und dieses lange auf seinen Schultern tragen und am Ende in Paris den vierten Gesamtplatz belegen. Er lieferte eine sensationelle Leistung bei den Bergetappen ab und kämpfte sich Seite an Seite mit Fahrern wie Evans, Schleck und Contador zusammen bis zu den Gipfeln. Nur ein Fahrer zeigte meiner Meinung nach während der Tour eine noch größere Leistung als der Franzose. Das oben beschriebene Auto, holte bei dem Überholversuch Juan Antonio Flecha vom Rad und diesem konnte wiederum ein gewisser Johnny Hoogerland nicht mehr ausweichen und landete kopfüber in einem Stacheldrahtzaun am Rande der Strecke. Blutüberströmend kämpfte er sich mit großem Rückstand ins Ziel. Hier wollte er eigentlich um den Etappensieg mit seinen ehemaligen Begleitern sprinten, stattdessen rollte er als einer der letzten ins Ziel. Aber er wollte es unbedingt schaffen denn er hatte sich im Laufe der Etappe ins Bergtrikot gefahren und das wollte er sich umbedingt auf dem Podium überstreifen lassen. Als es dann endlich soweit war überkamen den Niederländer die Emotionen und er lies seinen Tränen freien Lauf. Direkt nach der Siegerehrung war das Krankenhaus die nächste Stadion für Hoogerland seine Wunden mussten mit insgesamt 33 Stichen genäht werden. Aber auch das hielt Hoogerland nicht vom weiterfahren ab und er stand bei der nächsten Etappe wieder mit am Start, er hatte ja immerhin das gepunktete Trikot auf seinen Schultern. Dieses sollte er in den Alpen dann abgeben müssen, aber den Respekt hatte er sich bei allen Fans ohnehin schon verdient. Eine der Szenen der letzten Tour war für mich als Hoogerland in Alpe d´Heuz durch die berühmte "Bocht 7", die Kurve der Holländer fuhr. Schon Minuten vor seiner Ankunft hallten laute "Johnny, Johnny" Rufe durch die Zuschauerränge. Und dann kam er.
Ebenfalls wurden auf YouTube zu dieser unzählige Tribute und auch selbstgeschriebene Lieder (Klick & Klick) über Hoogerland hochgeladen. Gers Pardoel, ein berühmter niederländlischer Rapper, schrieb sogar eine eigene Version von "Ik neem je mee" für Hoogerland.
Ein Land war also kollektiv im Hoogerland Fieber und einen Tag nach dem er in Paris die Tour beendete stand er in Boxmeer beim ersten Nach-Tour-Kriterium am Start und war selbst einen Tag später war er in Stiphout der gefragteste Fahrer obwohl mit den Schleck Brüdern zwei Fahrer am Start standen die die Tour auf Platz zwei und drei beendeten hatten und selbst Mark Cavendish, Gewinner des Grünen Trikots, wirkte nur wie ein Statist neben Hoogerland.
Man sieht also das man nicht im Sieger sein muss um ein Held zu sein. Manchmal reicht es einfach nur zu kämpfen und man erhält den nötigen Respekt dafür. Hoogerland hat das 2011 gezeigt und ist deswegen für mich der Fahrer des Jahres 2011.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Rennen die den Jobb bewegten #3

Ende Januar findet in Koksijde die Weltmeisterschaft im Cyclocross statt, viele zehntausend Zuschauer werden in dem sonst so ruhigen Küstenort erwartet. 2007 gastierte die Weltmeisterschaft zuletzt in Belgien, Hooglede Gits war damals der Austragungsort und es sollte eine der dramtischten Weltmeisterschaften der Radsport-Geschichte werden.

Erwin Vervecken holt sich seinen dritten Weltmeistertitel
Rennen: Cyclocross Weltmeisterschaft Hooglede-Gits (BEL) am 28.1.2007

Drei Männer sollten dieser Weltmeisterschaft ihren Stempel aufdrücken. Zum einen der spätere Sieger Erwin Vervecken, der US-Amerikaner Jonathan Page und der Belgier Bart Wellens (Bild).
Das die Stimmung unter den belgischen Hardcore Fans schon mehr als aufgeheißt war erkannte man als die beiden Niederländer Camiel van Bergh und Gerben de Knegt die das Feld durch die erste Runde führten und gnadenlos ausgebuht wurden. Das ersterer im Gegenzug dann seinen Mittelfinger mehrfach in Richtung Publikum zeigte heizte die Stimmung nur noch mehr an. Als dann aber relativ schnell die belgische Nationalmannschaft die Spitze übernahm, waren die Fans erstmal zufrieden gestellt. Eigentlich wie in jedem Jahr hatten die Belgier aus in Hooglede wieder ein Luxusproblem, eigentlich war schon vor dem Startschuss das klar das ein Belgier gewinnen würde die Frage sei nur wer. Top-Favorit war natürlich Sven Nys der den gesamten Saisonverlauf bis zur Weltmeisterschaft nach belieben dominiert hatte. Aber es sollte anders kommen. In der dritten Runde fuhren Nys und Bart Wellens gemeinsam an der Spitze, als plötzlich auf einem asphaltierten Abschnitt beide zu Sturz kamen nachdem ein Kameramotorrad einen Plastikabsperrhut direkt Wellens ins Rad wehte. Dieser verletzte sich bei diesem Unfall so schwer das später im Krankenhaus ein gebrochenes Handgelenk festgestellt wurde, zu Ende war die Weltmeisterschaft für ihn aber noch lange nicht. Er rappelte sich wieder auf und ging in die Verfolgung, er hatte durch den Sturz 50 Sekunden Rückstand. Nach dem Sturz hatte vorne Vervecken die Spitze übernommen und hatte eigentlich schon einen komfortablen Vorsprung als auch er ohne Fremdeinwirkung zu Sturz kam und alles wieder zusammenrollte. Es entwickelte sich ein wahrer Thriller.
Der Rennverlauf wurde weiter von Stürzen geprägt und wieder kamen sich die Belgier selbst in die Quere. Wieder wurde Sven Nys abgeräumt diesmal von Vervecken der in einer Kurve wegrutschte und Nys schlichtweg nicht mehr ausweichen konnte und drüber fiel. Für ihn war das Rennen damit auch gelaufen, es sollte am Ende nur der elfte Platz werden.
An der Rennspitze schlug derweil die Stunde der Outsider und das im Finale einer Weltmeisterschaft, es waren nicht mal mehr 1 1/2 Runden zu fahren als plötzlich Jonathan Page alleine an der Spitze des Rennens war und er packte seine Chance beim Schopfe er realisierte schnell das hier der Titel für ihn drin ist, es sollte zum Amerikaner nur noch einer aufschließen können... Erwin Vervecken der Mann für die großen Rennen oder besser gesagt der Mann für die Weltmeisterschaft. Im Gegensatz zu Sven Nys gewinnt Erwin Vervecken kaum ein Rennen im Laufe der Saison, sobald er aber bei einer WM am Start ist zeigte er sich immer in Top Form, so stand er in Hooglede-Gits auch als Titelverteidiger am Start. 2006 hatte er den Titel in Zeedam gewonnen, seinen zweiten Weltmeistertitel, und auch davor die Jahre stand Vervecken eigentlich regelmäßig auf dem WM.
Page und Vervecken sollten also um das begehrte Regenbogentrikot in der letzten Runde kämpfen und das taten die beiden auf höchstem Niveau und der Amerikaner machte es den Belgier schwer, sehr schwer. Erst als er sich kurz vor dem Ziel an einer kleinen Steigung festfuhr bleib für Page nur Silber. Vervecken holte sich seinen dritten WM Titel.
Der stärkste war er aber an diesem Tag nicht, dieser sollte vierter werden. Bart Wellens! Nach seinem Sturz hatte er sich bis auf 17 Sekunden wieder rangekämpft, eine mehr als unmenschliche Leistung bedenkt man das er nach dem Zieleinlauf seinen kompletten rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. Ein sehr gutes Beispiel dafür welchen Stellenwert eine solche Weltmeisterschaft für die Fahrer hat und wenn das ganze noch in Belgien ausgetragen wird ist eigentlich sowie so immer Spektakel garantiert. Ob wir am letzten Januar Wochenende in Koksijde eine ähnliche Action sehen werden wie 2007 in Hooglede bleibt abzuwarten, abschließend kann man jedenfalls sagen das diese WM 2007 für immer einen besonderen Platz in der Radsport-Geschichte haben wird.

Montag, 18. Juli 2011

Rennen die den Jobb bewegten #2

Es ist schon ein wenig her das diese Rubrik hier ihren Anfang machte doch nun schiebe ich endlich mal wieder ein bisschen neues Material nach. Es geht um eine Etappe der Tour de France 2004, genau wie in diesem Jahr trug Thomas Voeckler das Gelbe Trikot auf seinen Schultern. Doch in der folgenden Geschichte spielt er nur eine untergeordnete Rolle.

Jens Voigt holt Jan Ullrich ein und wird von deutschen Fans beschimpft
Rennen: Tour de France – 15. & 16. Etappe (FRA) am 20.7. & 21.7.2004

Es war die 15. Etappe der Tour de France 2004 eine mittelschwere Alpenetappe die eigentlich für Ausreißer wie geschaffen war. In der üblichen Gruppe des Tages befand sich auch der deutsche Dauerausreißer Jens Voigt (Bild). Man ging davon aus das die Favoriten sich an diesem Tag ihre Kräfte ein wenig schonen würden für das Bergzeitfahren nach Alpe d´Heuz welches einen Tag drauf auf demJens Voigt Programm stand. Man rechnete höchstens mit kleineren Sekundenabständen am letzten Berg zum Ziel, der zwar kurz aber doch recht steil war. Aber es kam alles anderes.
60 Kilometer vor dem Ziel attackierte Jan Ullrich am Col de l`Echarsson und fuhr mehr als eine Minute Vorsprung raus obwohl die Teamkollegen von Lance Armstrong hinten komplett Verfolgungsarbeit leisteten. In der Armstrong Gruppe war auch noch Ivan Basso der in dem Jahr der härteste Gegner von Armstrong sein sollte. Er nahm Kontakt zu seinem sportlichen Leiter Bjarne Riis auf und dieser pfiff Jens Voigt aus der Spitzengruppe zurück. Er sollte seinen Kapitän wieder an den einzigen Deutschen Sieger der Frankreich Rundfahrt ranfahren. Tatsächlich war es Voigt der einen Großteil der Nachführarbeit machte und Ullrich 25 Kilometer vor dem Ziel wieder einholte.
Den Etappensieg holte sich am Ende Lance Armstrong der dadurch auch das Gelbe Trikot von Thomas Voeckler übernahm.
Zu dieser Zeit wurde der Radsport auch in Deutschland während der Tour de France noch großgeschrieben und erfreute sich auch zahlreicher Medienpopularität und so kam es auch das die zahlreichen deutschen Fans die am nächsten Tag am Anstieg nach Alpe d´Heuz auf die Fahrer warteten, Voigt die Aktion vom Vortag mehr als übel nahmen. Als der Berliner von der Startrampe rollte und das Bergzeitfahren in Angriff nahm ahnte er wohl noch nicht was ihn erwarten würde. Er wurde während der gesamten Fahrt von deutschen Fans auf übelste beschimpft und beleidigt. Tiernamen wurden ihm gegeben und man bezeichnete ihn als Judas. Immerhin hatte er vor 24 Stunden die größte Deutsche Tour Hoffnung um den Etappensieg sowie wichtigen Sekunden oder Minuten im Kampf um die Gesamtwertung gebracht. Das ganze war wohl eine der schwärzesten Stunden in der Karriere des Jens Voigts. Natürlich fehlten den Radsport Fans das nötige Hintergrundwissen. Voigt hat natürlich das völlig richtige gemacht, er stand im Dienste des CSC Teams und Ullrich war bei T-Mobile unter Vertrag. In der Bundesliga schenkt Schalke Dortmund ja auch nicht mal ebenso den Sieg.
Aber trotzdem interessant, den heute sieben Jahre später wäre eine solche Situation im deutschen Radsport unvorstellbar. Voigt ist mittlerweile das geworden was ein Ullrich noch 2004 war und das Interesse allgemein am Radsport hat durch die ganzen Dopingfälle und den negativen Journalismus heutzutage extrem nachgelassen. Es besuchen zwar immer noch viele Deutsche Fans die Tour de France aber sie verbinden es im Jahr 2011 wohl eher mit Urlaub, zur Ullrichs Zeiten ging es da nur um das Rennen. Eine Situation wie 2004 kann ich mir im Jahr 2011 jedenfalls von Deutschen Fans nicht mehr vorstellen. Dazu braucht man nun schon die Belgier, Spanier oder Italiener.

Freitag, 10. Dezember 2010

Rennen die den Jobb bewegten #1

So ein Wrestling Match machte den Anfang, heute lege ich dann mal das erste Radrennen nach. Viel Spaß beim lesen.

Jan Ullrich´s Solosieg bei Rund um Köln 2003
Rennen: Rund um Köln (GER) am 21.4.2003

Ostermontag, der traditionelle Tag für Radsport in und um Köln. 2003 fand die insgesamt 88. Auflage von "Rund um Köln" statt. Am Start vor BayArena in Leverkusen hatte sich die internationale Radsportelite eingefunden. Mit dabei war auch ein gewisser Jan Ullrich, der nach einem verkorksten Vorjahr mit Fahrerflucht, Drogenmissbrauch und anschließender Sperre nun wieder durchstarten wollte. Für ihn war es ein kompletter Neuanfang so trennte er sich auch von seinem langjährigen Telekom Team und wechselte zum Coast Team welches sein Engagement im Radsport zur neuer Saison stark ausweitete. Für Ullrich war dies nicht der erste Start in Köln, doch bei seinen Auftritten in Vergangenheit erreichte er das Ziel in der Kölner Innenstadt maximal im Hauptfeld. Sollte das anno 2003 anderes sein? Wenn es nach Ullrich ging kaum, so sagte er im Interview mit dem WDR "Gewinnen kann ich nicht". Sein letzter Sieg lag schon lange zurück es war der Sieg bei der WM im Einzelzeitfahren in Lissabon, dieser war im Herbst 2001. Der Rennverlauf in Köln war eigentlich nie vorherzusehen. Das eine Jahr gab es einen Massensprint, dann erreichte eine kleine Ausreißergruppe das Ziel oder auch mal ein Fahrer alleine. Vor allem die kleinen giftigen Anstiege im Bergischen Land sorgten immer für eine Selektion, auf der Fahrt von der letzten Bergwertung in Bensberg bis zum Ziel nach Köln konnte man aber eine Gruppe immer noch einholen. Was sollte uns im Jahr 2003 erwarten? Zunächst setzte sich 12 köpfige Gruppe bei Kilometer 20 ab. 60 Kilometer später wurde diese allerdings wieder vom Feld eingeholt, maßgeblichen Anteil daran hatte Jan Ullrich, kurze Zeit später sprengte der Olympiasieger von Sydney das Hauptfeld und formierte eine Gruppe aus rund 30 Fahrern im Alleingang. Das war eine erste Vorentscheidung im Rennen. Der finale Moment kam dann 53 Kilometer vor dem Ziel. Der ehemalige Toursieger verschärfte erneut das Tempo und lies seine Mitstreiter scheinbar mühelos stehen. Fast schon chaotische Zustände in Köln als er ehemalige Radsportheld zum ersten mal die Deutzer Brücke überquerte, er war so stark das er sogar die Kölner S-Bahn überholte, die parallel zu ihm fuhr. Die drei Zieldurchfahrten am Rheinufer wurden für Ullrich vor zahlreichen Fans zum reinen Triumphzug, er hatte seinen Vorsprung auf über drei Minuten ausgebaut und es schien so als ob er es selbst nicht fassen könnte aber er würde in Kürze als erster über die Ziellinie fahren und das Rennen gewinnen. Er kam allein, fuhr nach rechts klatschte dort die Zuschauer ab, später war auch noch die linke Seite dran. Ein unvergesslicher Tag für den Deutschen Radsport. Ullrich fuhr nach 1997 in der Form seines Lebens und sollte drei Monate später erneut zweiter bei der Tour de France werden. Er hatte nur knapp eine Minute Rückstand auf Seriensieger Armstrong, nie wieder sollte er so nah an den Amerikaner dran kommen. Die Comeback Saison 2003 war wohl sportlich über die ganze Saison gesehen die beste des Jan Ullrich und trotz späterer Quälereien mit dem Coast Team, welches sich in Team Bianchi umbenennen musste, bleibt dieser Ostermontag im Jahr 2003 wohl noch länger in Erinnerung der deutschen Radsportfans.